Schüleraustausch mit Chiavari (Italien) – Allgemeines

Der Schüleraustausch zwischen dem Ratsgymnasium Goslar und dem Liceo Classico Federico Delpino / Liceo Scientifico Marconi fand zum ersten Mal im Jahr 1996 statt. Er lag von Anfang an in der Hand der Altsprachler, bot er als Pendant zum Frankreichaustausch den Schülern, die Latein als zweite Fremdsprache erlernen, doch die Möglichkeit, im neunten Schuljahrgang ebenfalls an einem Austauschprogramm teilzunehmen. Anders als der Frankreichaustausch hat der Austausch mit Italien aber keinen sprachlichen, sondern einen kulturellen Schwerpunkt („scambio culturale“). Betreut wurde der Austausch in den Anfangsjahren von den Kollegen Dr. Wolfgang Richnow und Karsten Behr, die, von echtem Pioniergeist beflügelt, auf italienischer Seite auf die glücklicherweise gleichgesinnten Kollegen Renata Neirotti und Stefano Bonati trafen. Etliche Male auch reiste Herr Steinecke in seiner Funktion als Schulleiter nach Chiavari und sorgte vor Ort mit Überzeugungskraft und Verhandlungsgeschick dafür, dass der Direktor der italienischen Schule dem Austauschgedanken treu blieb. Organisation und Durchführung des Austausches gingen im Jahr 2003 an Dr. Ruth Mariß über, die 2013 den Stab an Antonia Blase weiterreichte. Helfend standen bzw. stehen den Betreuerinnen die Kollegen Dr. Michael Assmann und Andreas Sachtleben zur Seite. Im Zuge der Aufteilung des italienischen Schulverbundes in mehrere selbstständige Schulen schied das Liceo Classico im Jahre 2009 aus dem Austauschprogramm aus, sodass das Ratsgymnasium seitdem im Liceo Scientifico Marconi seinen einzigen, aber sehr zuverlässigen italienischen Austauschpartner besitzt.

Mit seinen 28.000 Einwohnern ist die Stadt Chiavari, die an der ligurischen Küste etwa 50 km südlich von Genua liegt, etwas kleiner als Goslar. Chiavari ist vom Massentourismus, der viele Orte Liguriens erreicht hat, bisher unberührt geblieben – eine gute Voraussetzung dafür, dass die deutschen Schüler das Leben in einer italienischen Stadt weitgehend unverfälscht kennenlernen können. Die Gastfreundschaft der Familien und die schmackhafte und reichhaltige italienische Küche beeindrucken die Goslarer Schüler stets ebenso wie die Schönheit der Landschaft und die kulturell interessanten und historisch bedeutsamen Ausflugsziele Pisa, Genua und Rapallo. Die Teilnahme am Unterricht in der italienischen Partnerschule ist ebenso Pflicht wie für die italienischen Gäste der Besuch deutscher Unterrichtsstunden, was die Unterschiede zwischen den beiden Schulsystemen, wie z.B. den obligatorischen italienischen Samstagsunterricht, schnell zutage treten lässt. Während die deutsche Gruppe stets Ende April oder Anfang Mai nach Chiavari reist, legen sich die Italiener für ihren einwöchigen Aufenthalt in Goslar nicht so gerne fest: Von Anfang Dezember bis Ende März reichte in der Vergangenheit der Zeitraum, den sie dafür wählten. Trotz der winterlichen Temperaturen kamen die italienischen Gäste in Goslar dabei stets auf ihre Kosten: Die Führung durch die mittelalterliche Stadt, die Besichtigung des Rammelsbergwerkes, Ausflüge nach Hannover, Braunschweig und Wolfsburg, mitunter sogar nach Berlin boten ihnen ein abwechslungsreiches und lehrreiches Programm.

Von den vielen unvergessenen Erlebnissen, die mir der Austausch mit Chiavari bescherte, möchte ich an dieser Stelle eines herausgreifen, das das italienische Temperament besonders anschaulich macht: Als bei der Rückfahrt von Chiavari nach Goslar einer unserer Schüler im italienischen Schnellzug – aus Versehen, versteht sich – kurz vor Mailand die Notbremse zog, waren augenblicklich vier italienische Zugbegleiter zur Stelle. Während diese aus voller Kehle über den Vorfall schimpften, ergriffen zahlreiche ihrer mitreisenden Landsleute nicht weniger lautstark für unseren Schüler Partei; nachdrücklich vertraten sie die Auffassung, dass deutsche Schüler trotz solcher Versehen als besonders diszipliniert gelten dürften. Als diese hitzige Diskussion nach einer Viertelstunde ergebnislos abgeschlossen war, schienen die Vertreter beider Seiten äußerst zufrieden und die Fahrt wurde fortgesetzt. Unser Schüler kam, obwohl ihm zunächst eine hohe Geldstrafe angedroht worden war und er fürchtete, Italien nicht verlassen zu dürfen, bis die ihn begleitenden Lehrer dieses Bußgeld gezahlt hätten, ungeschoren davon.

 

Italienaustausch 2013 – Ein Bericht

Wie viele Jahre zuvor fand auch im Schuljahr 2012/2013 der Austausch mit dem Liceo Scientifico Marconi in Chiavari, Ligurien, statt.

Im April dieses Jahres besuchten zwanzig italienische Schüler mit zwei begleitenden Lehrerinnen Goslar. Sie wurden herzlich empfangen und konnten in den sechs Tagen, die sie bei uns waren, u.a. die Altstadt Goslars, das Rammelsbergwerk und die nahe Stadt Braunschweig kennenlernen. Den letzten gemeinsamen Abend ließen die deutschen und italienischen Schüler, die sich inzwischen sehr gut verstanden, bei einer Abschiedsparty ausklingen. Wissend, dass sie sich recht bald wiedersehen würden, verkrafteten sie den Abschied gut. Denn bereits einen Monat später, am 11. Mai, brachen siebzehn deutsche Schüler mit ihren Begleitern Frau Blase und Herrn Sachtleben um 6 Uhr morgens auf, um nach Chiavari zu reisen. Traditionell fuhr die Gruppe mit der Bahn. Nach Zugwechseln in Stuttgart, Zürich und Mailand kamen die RG-Schüler schließlich um 23 Uhr in Chiavari an, wo sie begeistert mit Plakaten und viel Jubel empfangen wurden. Da der folgende Tag ein Sonntag war, hatten die neuen Freunde viel Zeit füreinander. Viele gingen gleich an den Strand oder erkundeten in kleineren Gruppen die Gegend.

Am Montag trafen sich alle in der Schule wieder. Die gesamte Gruppe fuhr von dort mit dem Bus nach Parma und wurde von einem italienischen Kollegen durch die wunderschöne Altstadt geführt. Krönender Abschluss des Ausflugs war ein Picknick im Park.

Am Dienstag bekamen die deutschen Schüler einen Eindruck, wie italienische Schüler unterrichtet werden. Besonders beim Lateinunterricht staunten sie über die Fähigkeiten der Gastgeber, die die Sprache wesentlich schneller und leichter erlernten als sie. Anschließend wurden die Goslarer Schüler mit ihren Lehrern von zwei italienischen Schülerinnen, die Deutsch sprachen, durch Chiavari geführt. Der botanische Garten mit Blick auf das Meer war sehr sehenswert.

Am Mittwoch brachen alle zusammen nach Genua auf. Eine italienische Kollegin zeigte uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie den Dom, der an diesem Tag nicht zugänglich war, weil dort die Trauerfeier für die verunglückten Hafenarbeiter stattfand, das Kolumbus-Haus, den Hafen und vieles mehr. Es war für uns ein großer Kontrast zwischen dem kleinen, beschaulichen Chiavari und der quirligen Hauptstadt Liguriens.

Leider gab es einen regnerischen Tag: ausgerechnet Donnerstag! An diesem Tag wollten wir von Santa Margherita nach Portofino wandern. Die deutschen Schüler hatten Glück: Wir fuhren mit dem Bus. Dennoch war die Bucht Portofinos wunderschön, und man kann gut verstehen, warum hier so viele große Yachten anlegen.

Am Freitag boten die italienischen Gastgeber uns ein Volleyball-Turnier. Hierbei war zu erkennen, dass die Italiener wirklich sportbegeistert sind. Zudem konnten sie ihr Temperament gut ausleben. Da an diesem Tag traditionell Markt in der Altstadt Chiavaris ist, bummelten wir anschließend noch ein wenig und kauften das ein oder andere Mitbringsel.

Am Samstag, dem 18. Mai, war es Zeit für den Abschied. Die Abschiedsstimmung verlor sich allerdings im Chaos, das entstand, weil die italienische Bahn den Zug, der uns nach Mailand bringen sollte, ersatzlos gestrichen hatte. Dank der Hilfe der Gastgebereltern und der italienischen Kollegin wurde es uns ermöglicht, Chiavari doch noch zu verlassen. Erst in Mailand konnten wir wieder auf unseren reservierten Plätzen sitzen. Spät abends kam die Reisegruppe in Goslar an. Da die Schüler dank Facebook und Whatsapp immer noch lebhaften Kontakt zu den Italienern haben, weiß ich, dass ihnen dieser Austausch sehr gut gefallen hat. Der Zweck eines solchen Austausches, das Kennenlernen anderer Länder und Menschen, ist geglückt. Zudem sind länderübergreifende Freunschaften entstanden.

 

 

 

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